Strom hat keinen festen Preis: er schwankt stündlich
An der Strombörse (dem Day-Ahead-Markt) wird für jede Stunde des nächsten Tages ein eigener Preis gebildet. Er richtet sich danach, wie viel Strom gerade gebraucht wird und wie viel Wind- und Solarstrom im Netz ist. Das Ergebnis ist ein deutlicher Tagesrhythmus, den wir aus den aWATTar-Daten der letzten 30 Tage Stunde für Stunde gemittelt haben: genau die Kurve oben.
Am günstigsten mittags, am teuersten abends
Der Tiefpunkt liegt im Schnitt um die Mittagszeit: gegen 13 Uhr kostet die Kilowattstunde an der Börse nur rund 2,9 ct. Der Hochpunkt kommt am Abend: gegen 20 Uhr sind es rund 23,3 ct/kWh. Zwischen der billigsten und der teuersten Stunde eines Tages liegen im Mittel rund 12,8 ct/kWh: das ist die Spanne, die dynamische Tarife und ein Speicher ausnutzen können.
Über das ganze Jahr gemittelt lag der reine Börsenpreis bei rund 9,4 ct/kWh. Wichtig zur Einordnung: Das ist der Beschaffungspreis an der Börse. Was du als Endkund:in zahlst, liegt deutlich höher, weil Netzentgelte, Steuern und Umlagen oben drauf kommen. Der Tagesverlauf aber überträgt sich 1:1 in einen dynamischen Tarif.
Warum die Kurve so aussieht
Mittags scheint die Sonne am stärksten, und Millionen PV-Anlagen (vom Solarpark bis zum Balkonkraftwerk) drücken gemeinsam so viel Strom ins Netz, dass der Preis in den Keller geht. Am Abend fällt die Solarleistung weg, während gleichzeitig Herd, Licht, Fernseher und E-Auto-Ladung zusammenkommen: Die Nachfrage steigt, teure Gaskraftwerke springen ein, der Preis klettert. An besonders sonnigen oder windigen Stunden fällt der Börsenpreis sogar unter null: im letzten Jahr in rund 509 Stunden. Warum das passiert, erklären wir im Artikel Negative Strompreise.
Was das fürs Balkonkraftwerk bedeutet
Hier steckt die eigentliche Pointe: Dein Balkonkraftwerk erzeugt seinen Strom genau in den Mittagsstunden, in denen Strom am billigsten ist. Für den Überschuss, den du dann ins Netz schiebst, gibt es bei einem Steckersolargerät praktisch keine Vergütung: er ist im Marktwert kaum etwas wert. Deshalb entscheidet nicht die Einspeisung über den Nutzen deiner Anlage, sondern der Eigenverbrauch: Jede Kilowattstunde, die du selbst nutzt, spart dir den vollen Bezugspreis von rund 0,35 €.
Die günstigen Stunden aktiv nutzen
Mit einem dynamischen Stromtarif kannst du den Spieß umdrehen und flexible Verbraucher gezielt in die billigen Mittagsstunden legen: Wasch- und Spülmaschine per Timer, die Wärmepumpe oder das E-Auto. Und wer einen Speicher hat, kann ihn in der günstigen Zeit laden und den Strom im teuren Abend-Peak nutzen. Dieses „Netzladen“ ist ein zweiter Sparhebel neben dem Solarstrom. Ob es sich für dich lohnt, rechnest du im Netzladen-Rechner aus; die Details stehen im Artikel Speicher nachts günstig laden.
Fazit
Strom ist mittags am billigsten und abends am teuersten: ein Rhythmus, den die Solarenergie selbst erzeugt. Fürs Balkonkraftwerk heißt das: Nutze deinen Strom möglichst direkt, statt auf eine Einspeisevergütung zu hoffen. Wer zusätzlich einen dynamischen Tarif und einen Speicher clever kombiniert, kann die Tagesspanne von rund 12,8 ct/kWh in echtes Geld verwandeln. Starte mit dem Ertragsrechner und dem Speicher-Rechner.