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Negative Strompreise: Was steckt dahinter?

Aktualisiert am 13. Juli 2026 · Quellen unten verlinkt

Es klingt paradox: An immer mehr Stunden im Jahr bezahlt man an der Strombörse dafür, Strom abzunehmen – der Preis ist negativ. 2025 war das ein Rekordjahr, und der Trend zeigt steil nach oben. Hier erfährst du, warum das passiert, wie oft es vorkommt, und was negative Preise konkret für dein Balkonkraftwerk, einen Speicher und dynamische Tarife bedeuten.

Wie oft der Strompreis unter null fällt

Gemeint ist der Day-Ahead-Börsenpreis an der EPEX Spot – der Großhandelspreis, zu dem Strom für den nächsten Tag stundenweise gehandelt wird. Die Zahl negativer Stunden steigt seit Jahren rasant:

  • 2016: rund 97 Stunden
  • 2022: nur 69 Stunden (Energiekrise, hohe Preise)
  • 2023: 301 Stunden
  • 2024: 457 Stunden (damaliger Rekord)
  • 2025: rund 573 Stunden – neuer Rekord, plus 81 Stunden mit Preis genau null

Unsere eigene Auswertung der aWATTar-Börsendaten bestätigt die Größenordnung: Über die letzten 365 Tage haben wir rund 509 negative Stunden gezählt. Dass dieser Wert etwas niedriger liegt als die 573 Stunden fürs Kalenderjahr 2025, liegt am rollierenden Zeitfenster – beide Zahlen beschreiben denselben Trend. Seit Juni 2026 wird an der Börse übrigens viertelstündlich statt stündlich gehandelt, was die Statistik künftig noch feiner macht.

Warum der Preis überhaupt negativ wird

Der Kern des Ganzen: Strom lässt sich nicht wie andere Waren einfach lagern. Angebot und Nachfrage müssen in jeder Sekunde übereinstimmen. Zwei Dinge treffen dann zusammen:

  • Erneuerbare drücken den Preis (Merit-Order): Sonne und Wind haben nahezu keine Betriebskosten und bieten am Markt zuerst an. Bei viel Sonne und Wind fallen teure Gas- und Kohlekraftwerke aus der Preisbildung heraus – der Preis sinkt.
  • Unflexible Kraftwerke bleiben am Netz: Manche konventionellen Anlagen laufen weiter, etwa weil sie Wärme (Kraft-Wärme-Kopplung) liefern oder zur Netzstabilität gebraucht werden. Sie können nicht beliebig schnell abregeln.

Ist dann mehr Strom im Netz als gebraucht wird – typisch an sonnigen, windigen Tagen mit wenig Verbrauch –, ist es für diese Kraftwerke günstiger, ins Minus zu bieten und weiterzulaufen, als komplett herunterzufahren und teuer wieder anzufahren. So entsteht ein negativer Preis. Im Schnitt lag er 2025 bei etwa −2,9 ct/kWh vor Steuern und Abgaben – kurzfristig kann er aber deutlich tiefer rutschen.

Wann das passiert – und warum das für dich relevant ist

Negative Preise ballen sich im Frühling und Sommer, vor allem in den sonnenreichen Monaten Mai und Juni, oft mittags und an Wochenenden mit niedrigem Verbrauch. Das ist genau die Zeit, in der auch dein Balkonkraftwerk am meisten liefert. Die Kehrseite: In genau diesen Stunden ist der eingespeiste Strom am wenigsten wert. Umso wichtiger wird es, den eigenen Strom selbst zu verbrauchen oder zu speichern, statt ihn ins übervolle Netz zu drücken.

Was das fürs Balkonkraftwerk bedeutet

Fürs reine Einspeisen bringen negative Preise dir nichts – die kleinen Überschüsse eines Balkonkraftwerks werden ohnehin fast nie vergütet. Interessant wird es aus der anderen Richtung, als Verbraucher mit dynamischem Tarif:

  • Bei einem dynamischen Stromtarif (z. B. Tibber oder aWATTar) zahlst du stundengenau den Börsenpreis plus feste Aufschläge. In günstigen oder negativen Stunden wird Netzstrom damit sehr billig.
  • Der Endpreis fällt aber selten komplett unter null: Netzentgelte, Steuern und Abgaben – ein großer, fester Anteil des Strompreises – bleiben bestehen. Nur der reine Energieanteil wird negativ. In Einzelfällen kam es bei Anbietern schon vor, dass der effektive Preis unter null lag – die Regel ist das nicht.
  • Ein Speicher macht daraus einen echten Vorteil: Er lädt automatisch in billigen (oder negativen) Stunden und gibt den Strom abends ab, wenn der Preis hoch ist. Das ist zusätzliche Ersparnis zum Solarstrom – ganz ohne Sonne.

Ob sich ein Speicher – auch mit dynamischem Tarif – für deinen Haushalt rechnet, prüfst du ehrlich im Speicher-Rechner. Wie sich der Grundpreis fürs Balkonkraftwerk entwickelt, siehst du in unserem Preistracker.

Der Zusammenhang mit der Einspeisevergütung

Negative Preise sind auch der Grund für das Solarspitzengesetz (in Kraft seit 25.02.2025): Neue PV-Anlagen ab 2 kWp erhalten in Stunden mit negativem Börsenpreis keine Einspeisevergütung mehr. Für Balkonkraftwerke unter 2 kWp spielt das kaum eine Rolle – zumal sie ohnehin selten vergütet einspeisen. Wie es mit der Vergütung insgesamt weitergeht, liest du in Einspeisevergütung 2027.

Fazit: Negative Strompreise sind kein Störfall, sondern ein wachsendes Signal für zu viel Strom zur falschen Zeit. Wer selbst verbraucht, speichert und einen dynamischen Tarif nutzt, macht aus diesem Signal einen Vorteil.

Häufige Fragen

Wie oft ist der Strompreis 2025 negativ gewesen?
An der deutschen Strombörse (EPEX Spot, Day-Ahead) gab es 2025 rund 573 Stunden mit negativem Preis – ein neuer Rekord nach 457 Stunden (2024) und 301 Stunden (2023). Unsere eigene Auswertung der aWATTar-Börsendaten zählt für die letzten 365 Tage rund 509 negative Stunden (rollierendes Fenster, daher etwas anderer Wert als das Kalenderjahr).
Warum wird Strom überhaupt negativ bezahlt?
Strom lässt sich nicht einfach lagern, Angebot und Nachfrage müssen jederzeit übereinstimmen. Wenn Sonne und Wind viel liefern und gleichzeitig wenig Strom gebraucht wird, ist mehr im Netz, als abgenommen wird. Unflexible Kraftwerke, die nicht schnell abregeln können, zahlen dann lieber drauf, statt komplett abzuschalten – der Preis rutscht unter null.
Zahlt mir dann jemand Geld fürs Stromverbrauchen?
Nur der reine Börsenanteil deines Preises wird negativ. Netzentgelte, Steuern und Abgaben – ein großer, fester Anteil des Strompreises – bleiben bestehen. Mit einem dynamischen Tarif wird der Strom in diesen Stunden also sehr günstig; komplett unter null fällt der Endpreis nur in Ausnahmefällen.
Was bringen negative Preise für mein Balkonkraftwerk?
Für das reine Einspeisen nichts – die kleinen Überschüsse eines Balkonkraftwerks werden ohnehin meist nicht vergütet. Der Hebel liegt woanders: Ein Speicher plus dynamischer Tarif lässt dich günstigen (oder negativen) Netzstrom laden und ihn abends nutzen, wenn der Strom teuer ist.
Wann treten negative Preise am häufigsten auf?
Vor allem im Frühling und Sommer (Mai/Juni), mittags bei viel Sonne, oft an Wochenenden und Feiertagen mit niedrigem Verbrauch. Also genau dann, wenn auch dein Balkonkraftwerk am meisten produziert.

Quellen

  1. BHKW-Infozentrum: Negative Strompreise – Fakten und Statistiken (EPEX Spot Day-Ahead)
  2. pv magazine: Rekord bei negativen Börsenstrompreisstunden (Quelle: Fraunhofer ISE / Energy-Charts)
  3. Berliner Zeitung: 573 Stunden Minus – neuer Rekord bei negativen Strompreisen 2025
  4. Fraunhofer ISE: Energy-Charts (Day-Ahead-Börsenstrompreise Deutschland)
  5. 1KOMMA5°: Negativer Strompreis einfach erklärt (Merit-Order, dynamische Tarife)
  6. aWATTar: Marktdaten-API (Day-Ahead-Börsenpreise – Datenbasis unserer Auswertung)
  7. Klimaschutz Niedersachsen: Solarspitzengesetz – keine Vergütung bei negativen Preisen

Alle Angaben ohne Gewähr. Rechtliche Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung. Stand: 13. Juli 2026.