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    Süd, Ost oder West? Ausrichtung im Ertragsvergleich

    Von Eric Wilkinson · Aktualisiert am 18. Juli 2026 · Quellen unten verlinkt

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nach Süden ausgerichtet bringt ein 0,8-kWp-Set am meisten: rund 847 kWh im Jahr (PVGIS-Referenz Berlin, 35° Neigung).
    • Ein Ost-Balkon liefert noch 79 %, ein West-Balkon 77 % des Süd-Ertrags: der „Süd-Zwang“ ist ein Mythos.
    • Südost (95 %) und Südwest (93 %) sind praktisch gleichauf mit Süd: der Unterschied ist kleiner als die Streuung zwischen zwei Standorten.
    • Ost und West verteilen den Strom in Morgen- und Abendstunden: genau dann, wenn viele zu Hause sind. Das hebt oft den Eigenverbrauch, den wichtigsten Spar-Hebel.
    Süd: 847 kWh/Jahr847SüdSüdost: 802 kWh/Jahr802SüdostSüdwest: 789 kWh/Jahr789SüdwestOst: 671 kWh/Jahr671OstWest: 655 kWh/Jahr655West

    Jahresertrag eines 0,8-kWp-Sets je Ausrichtung (Berlin, 35°) · PVGIS

    Quelle: PVGIS (EU-Kommission) · Referenz: Berlin, 0,8 kWp, 35° Neigung

    „Muss es Süden sein?“: der Mythos vom Süd-Zwang

    Kaum eine Frage taucht vor dem Kauf so oft auf: Bringt mein Balkon überhaupt etwas, wenn er nicht nach Süden zeigt? Die kurze Antwort lautet: ja, fast immer. Süden ist zwar das Maximum, aber die Himmelsrichtung entscheidet längst nicht über „lohnt sich“ oder „lohnt sich nicht“. Ein West-Balkon in unserer PVGIS-Referenz liefert noch 77 %, ein Ost-Balkon 79 % des Süd-Ertrags. Der „Süd-Zwang“, den man in vielen Foren liest, hält den Zahlen nicht stand.

    Die Werte in diesem Artikel stammen aus PVGIS, dem Solarstrahlungs-Rechner der EU-Kommission. Als Referenz dient ein typisches 800-Watt-Set mit 800 Watt Modulleistung, in Berlin aufgestellt und um 35° geneigt. Nur die Ausrichtung wird durchgespielt: alles andere bleibt gleich, damit die Zahlen vergleichbar sind.

    Die Zahlen: Süd, Südost/Südwest, Ost und West

    Nach Süden ausgerichtet erzeugt das Set rund 847 kWh im Jahr, das ist der Bestwert und unsere 100-%-Marke. Von da an geht es überraschend flach bergab:

    • Südost: 802 kWh (95 % vom Süd-Ertrag)
    • Südwest: 789 kWh (93 %)
    • Ost: 671 kWh (79 %)
    • West: 655 kWh (77 %)

    Südost und Südwest sind mit 95 bzw. 93 % praktisch nicht von Süd zu unterscheiden: dieser Unterschied ist kleiner als das, was allein der Standort ausmacht (dazu weiter unten). Selbst zwischen dem besten und dem schlechtesten der fünf Fälle liegen nur rund 192 kWh im Jahr. Bei einem Strompreis von 0,35 €/kWh entspricht das einem Ertragswert von unter 70 € und das auch nur, wenn du jede erzeugte Kilowattstunde selbst nutzt. In der Praxis ist die Lücke oft noch kleiner. Zum Vergleich: Der Neigungswinkel kann den Ertrag stärker verschieben als die Ausrichtung, wenn das Modul senkrecht am Geländer statt schräg hängt.

    Warum Ost und West oft die klügere Wahl sind

    Der Jahresertrag ist nur die halbe Geschichte. Viel wichtiger für deinen Geldbeutel ist, wann der Strom entsteht. Ein Süd-Modul liefert seine Spitze mittags in einem schmalen Fenster: genau dann, wenn viele Haushalte am wenigsten verbrauchen. Der Überschuss fließt dann fast vergütungslos ins Netz.

    Ost und West drehen die Erzeugungskurve auseinander: Ost bringt vormittags Leistung, West am späten Nachmittag und Abend. Das deckt sich viel besser mit den typischen Verbrauchsspitzen: Frühstück, Kochen, Feierabend, Waschmaschine. Dadurch nutzt du einen größeren Anteil des Stroms direkt selbst, statt ihn einzuspeisen. Und der Eigenverbrauch ist der eigentliche Geld-Hebel eines Balkonkraftwerks: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den vollen Strompreis, jede eingespeiste bringt fast nichts. Ein West-Balkon mit hohem Eigenverbrauch kann so unterm Strich mehr Euro einsparen als ein Süd-Balkon, dessen Mittagsspitze zum großen Teil ins Netz läuft.

    Ost oder West: worauf es ankommt

    Wenn du zwischen Ost und West wählen kannst, entscheidet dein Tagesrhythmus, nicht die Statistik: denn mit 79 gegen 77 % liegen beide fast gleichauf. Faustregel:

    • West, wenn du tagsüber außer Haus bist und erst am Abend Strom brauchst (Kochen, Unterhaltung, Laden). Die Abendsonne trifft dann auf deinen realen Verbrauch.
    • Ost, wenn morgens viel läuft: Homeoffice ab dem frühen Vormittag, Frühstück, früh startende Geräte.

    Noch mehr herausholen lässt sich mit einem Speicher: Er verschiebt den Mittags- oder Vormittagsüberschuss in die Abendstunden und macht die Ausrichtung fast zweitrangig. Ob sich das für dich rechnet, prüfst du im Speicher-Rechner. Und wie sich die Verteilung über die Jahreszeiten verschiebt (im Winter zählt jede Ausrichtung weniger, weil die Sonne insgesamt tief steht) liest du im Artikel Balkonkraftwerk im Winter.

    Gelten diese Werte auch für deine Stadt?

    Ehrliche Einordnung: Die absoluten kWh oben gelten für den Referenzstandort Berlin. In sonnigeren Regionen (etwa im Süden Deutschlands) liegt der Ertrag höher, an der Nordseeküste tendenziell etwas niedriger. Wie groß diese Standort-Streuung ist, zeigt der Artikel Die sonnigsten Städte für ein Balkonkraftwerk.

    Was dagegen überall gilt, sind die Verhältnisse: Ost und West liefern in ganz Deutschland rund drei Viertel des Süd-Ertrags, Südost und Südwest liegen fast auf Süd-Niveau. Deshalb kannst du die Prozentwerte aus diesem Artikel auf deinen Standort übertragen, die absoluten Kilowattstunden aber besser konkret nachrechnen. Genau das macht der Ertragsrechner: Er nimmt deine PLZ, deine Ausrichtung und deinen Neigungswinkel und liefert den PVGIS-Wert für deine Adresse.

    Fazit

    Der Süd-Zwang ist ein Mythos. Süd ist das Maximum, aber Ost und West bringen mit 79 und 77 % noch reichlich Ertrag und verteilen ihn über den Tag oft so, dass am Ende sogar mehr Geld hängen bleibt. Wichtiger als die perfekte Himmelsrichtung ist ein hoher Eigenverbrauch. Kurz: Wenn dein Balkon nach Osten oder Westen zeigt, ist ein Balkonkraftwerk trotzdem eine gute Idee. Rechne deinen konkreten Fall im Ertragsrechner durch, statt ihn an der Kompassnadel scheitern zu lassen.

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    Eric Wilkinson · Gründer & Betreiber

    Ich betreibe Balkonertrag allein, kein Fachbetrieb, kein Installateur, keine Redaktion. Was ich beitrage, ist Methode: Ich werte offene Daten aus (Marktstammdatenregister, PVGIS, Strombörse), nenne zu jeder Zahl die Quelle und kennzeichne, was sich noch nicht belegen lässt. Wo die Daten nichts hergeben, steht hier nichts: lieber eine Lücke als eine erfundene Zahl.

    Aktualisiert am 18. Juli 2026 · Redaktionelle Grundsätze · Quellen dieses Artikels

    Häufige Fragen

    Muss ein Balkonkraftwerk nach Süden zeigen?
    Nein. Süden bringt zwar den höchsten Jahresertrag, aber Ost und West liefern immer noch rund 79 bzw. 77 % davon. Für viele Haushalte ist eine Ost- oder West-Ausrichtung wegen des besseren Eigenverbrauchs sogar die klügere Wahl. Ein reiner Nord-Balkon lohnt sich dagegen kaum.
    Wie viel Strom bringt ein Ost- oder West-Balkon?
    In der PVGIS-Referenz (Berlin, 0,8 kWp, 35°) erzeugt ein Süd-Set 847 kWh im Jahr, ein Ost-Set 671 kWh und ein West-Set 655 kWh. Der Unterschied zu Süd sind also nur rund 192 kWh im Jahr, bei 0,35 €/kWh keine 70 € Ertragswert.
    Ost oder West: was ist besser?
    Rein rechnerisch nehmen sich beide fast nichts (Ost 79 %, West 77 % vom Süd-Ertrag). Entscheidend ist dein Tagesrhythmus: Ost produziert vormittags, West nachmittags und abends. Wer erst nach Feierabend zu Hause ist, holt aus West oft mehr Eigenverbrauch heraus.
    Gelten diese PVGIS-Werte auch für meine Stadt?
    Die absoluten kWh gelten für den Referenzstandort Berlin. In sonnigeren Regionen liegt der Ertrag höher, im Norden etwas niedriger. Die Verhältnisse zwischen den Himmelsrichtungen (Ost/West ≈ drei Viertel von Süd) bleiben aber überall ähnlich. Deinen konkreten Wert für deine Adresse und Ausrichtung rechnest du im Ertragsrechner aus.
    Was ist wichtiger: perfekte Ausrichtung oder hoher Eigenverbrauch?
    Der Eigenverbrauch. Ob Süd oder West macht am Jahresertrag nur rund ein Viertel Unterschied aus: wie viel des erzeugten Stroms du selbst nutzt statt ihn fast umsonst ins Netz zu schicken, entscheidet dagegen über den größten Teil der Ersparnis.

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    Quellen

    1. PVGIS – Photovoltaic Geographical Information System (EU-Kommission)
    2. Verbraucherzentrale – Steckersolar: Solarstrom vom Balkon
    3. Balkonertrag – Ertragsrechner (eigene Berechnung)

    Alle Angaben ohne Gewähr. Rechtliche Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung. Stand: 18. Juli 2026.