Dasselbe Set, unterschiedlicher Ertrag
Ein Balkonkraftwerk erntet nicht überall gleich viel. Zwischen der sonnigsten und der wolkigsten Stadt in unserer Auswertung liegen rund 18 % Unterschied, und zwar bei identischer Hardware, demselben 800-Watt-Set. Ganz vorn liegt Karlsruhe (Baden-Württemberg): Ein Standard-Set mit 0,8 kWp, nach Süden ausgerichtet und um 35° geneigt, erzeugt dort laut PVGIS rund 910 kWh im Jahr. Beim Sonnenschein belegt die Stadt Rang 59 von 10.211 ausgewerteten Städten.
Das ist keine Kaufempfehlung für einen Umzug, sondern eine Einordnung: Der Standort ist einer von mehreren Hebeln beim Ertrag, neben Ausrichtung und Neigungswinkel. Deinen exakten Wert liefert nur der Ertragsrechner für deine PLZ; die Liste hier zeigt, wo Deutschland am meisten Sonne fürs Balkon-Modul bereithält.
Die sonnigsten Städte nach Jahresertrag
Sortiert nach dem PVGIS-Jahresertrag eines 0,8-kWp-Süd-Sets, mit dem jeweiligen Sonnen-Rang aus der DWD-Auswertung:
- Karlsruhe (Baden-Württemberg), 910 kWh/Jahr · Sonnen-Rang 59
- München (Bayern), 903 kWh/Jahr · Sonnen-Rang 36
- Ludwigsburg (Baden-Württemberg), 902 kWh/Jahr · Sonnen-Rang 645
- Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg), 898 kWh/Jahr · Sonnen-Rang 104
- Stuttgart (Baden-Württemberg), 864 kWh/Jahr · Sonnen-Rang 152
- Dresden (Sachsen), 857 kWh/Jahr · Sonnen-Rang 1134
- Rostock (Mecklenburg-Vorpommern), 823 kWh/Jahr · Sonnen-Rang 349
- Berlin (Berlin), 821 kWh/Jahr · Sonnen-Rang 938
Auffällig: Die Spitze ist fest in süddeutscher Hand. 4 der 8 ertragsstärksten Städte liegen in Baden-Württemberg. Für die kompletten Daten jeder Stadt (Anlagenzahl, Wachstum und lokaler Ertrag) gibt es die Städte-Übersicht.
Warum der Süden gewinnt: Bodensee und Oberrhein
Die sonnigsten Ecken Deutschlands liegen im Südwesten. Der Oberrheingraben zwischen Freiburg im Breisgau und Karlsruhe ist eine der wärmsten und strahlungsreichsten Regionen des Landes, und auch am Bodensee summiert sich die Sonnenscheindauer über das Jahr weit nach oben. Das schlägt direkt auf den Solarertrag durch: Mehr Einstrahlung bedeutet mehr Kilowattstunden aus demselben Modul.
Großstädte wie Stuttgart, Mannheim und Heidelberg profitieren von derselben Lage. Der Norden und die Mittelgebirge kommen dagegen auf weniger Sonnenstunden, nicht dramatisch weniger, aber messbar. Wie stark schon die Jahreszeit den Ertrag verschiebt, zeigt der Artikel Balkonkraftwerk im Winter: Der Standort ist nur einer von mehreren Faktoren.
Wie groß ist der Unterschied wirklich?
Rund 18 %: das ist der Abstand zwischen der ertragsstärksten Stadt (910 kWh) und dem unteren Ende unserer Sonnen-Auswertung. Zu den Städten mit dem geringsten Ertrag gehören Paderborn, Kassel, Hagen, Arnsberg, Neuwied, typische Standorte im Bergischen Land, in Ostwestfalen und in Sachsen. Dort erzeugt dasselbe 800-Watt-Set noch rund 773 kWh im Jahr.
In Euro gerechnet ist der Unterschied überschaubar: Bei einem Strompreis von 0,35 €/kWh und solidem Eigenverbrauch trennt die sonnigste von der wolkigsten Stadt grob 20–40 € Ersparnis pro Jahr. Der Standort entscheidet also nicht darüber, ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt, sondern nur, wie schnell. Wie sich das über die Jahre summiert, rechnet der Beitrag Amortisation vor.
So haben wir gerechnet: Sonnen-Ranking plus PVGIS-Ertrag
Zwei Datenquellen, sauber getrennt. Das Sonnen-Ranking stammt aus dem gemessenen Sonnenscheindauer-Raster des Deutschen Wetterdienstes (DWD Climate Data Center), vieljähriges Mittel 1991–2020, ein 1-km-Raster aus echten Bodenstationsdaten, keine Wetter-Reanalyse. Daraus bilden wir die Reihenfolge der Städte; angezeigt wird hier der Sonnen-Rang (z. B. Rang 59 von 10.211).
Der Ertrag in Kilowattstunden kommt dagegen aus PVGIS, dem Solarrechner der EU-Kommission, für jede Stadt mit denselben Annahmen: 0,8 kWp Modulleistung, Südausrichtung, 35° Neigung. So ist der Vergleich fair, weil sich nur der Standort ändert. Das Ranking sagt dir, wo die Sonne am längsten scheint; die kWh-Zahl übersetzt das in den realistischen Jahresertrag deines Sets. Beide Werte aktualisieren sich, wenn wir die Datenbasis neu aufbauen.
Auch die wolkigste Stadt lohnt sich
Die wichtigste Botschaft steckt am unteren Ende der Liste: Selbst dort bringt ein Balkonkraftwerk noch rund 773 kWh im Jahr. Das deckt einen guten Teil des Dauerverbrauchs aus Kühlschrank, Router und Standby-Geräten und rechnet sich bei den heutigen Preisen fast überall. Ob deine Stadt weiter oben oder unten steht, verschiebt nur das Tempo der Amortisation, nicht das Ergebnis.
Statt dich an einem Städte-Rang zu orientieren, rechne deinen eigenen Fall durch: Der Ertragsrechner zieht die lokale Einstrahlung für deine PLZ und berücksichtigt, wie dein Balkon tatsächlich ausgerichtet ist. Und wenn du deinen Sonnenstrom auch abends nutzen willst, zeigt der Speicher-Rechner, wie viel ein Akku zusätzlich herausholt.