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    Stadt oder Land: wo Balkon-Solar am dichtesten ist

    Von Eric Wilkinson · Aktualisiert am 18. Juli 2026 · Quellen unten verlinkt

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die höchste Balkonkraftwerk-Dichte Deutschlands hat kein Stadtstaat, sondern der ländliche Landkreis Friesland: 35,5 Anlagen je 1.000 Einwohner (3.566 Anlagen auf 100.411 Einwohner).
    • Unter den zehn dichtesten Kreisen liegen ausschließlich Landkreise aus Niedersachsen und Bayern, keine einzige Großstadt.
    • Der Bundesdurchschnitt liegt bei 18,3 Anlagen je 1.000 Einwohner; Friesland kommt auf fast das Doppelte.
    • Der Grund ist das Wohneigentum: Im eigenen Einfamilienhaus hängt das Set in einer Stunde, Mieter:innen in der Großstadt brauchen erst die Zustimmung der Vermietung.
    Landkreis Friesland: 35,5 je 1.000 (3.566 Anlagen)LK FrieslandLandkreis Coburg: 34,8 je 1.000 (2.941 Anlagen)LK CoburgLandkreis Holzminden: 34,5 je 1.000 (2.264 Anlagen)LK HolzmindenLandkreis Celle: 34,4 je 1.000 (5.934 Anlagen)LK CelleLandkreis Oldenburg: 34,1 je 1.000 (4.505 Anlagen)LK OldenburgLandkreis Peine: 33,2 je 1.000 (4.550 Anlagen)LK PeineLandkreis Hof: 33 je 1.000 (3.043 Anlagen)LK HofLandkreis Verden: 31,8 je 1.000 (4.408 Anlagen)LK VerdenLandkreis Aurich: 31,6 je 1.000 (5.971 Anlagen)LK AurichLandkreis Kronach: 31,4 je 1.000 (2.029 Anlagen)LK Kronach

    Die zehn Landkreise mit der höchsten Balkonkraftwerk-Dichte je 1.000 Einwohner · MaStR ÷ Destatis

    Quelle: MaStR-Anlagen ÷ Bevölkerung (Destatis) · Kreise ≥ 20.000 Einwohner; Einwohner Destatis 31.12.2024

    Die höchste Dichte hat das Land, nicht die Stadt

    Man würde die meisten Balkonkraftwerke pro Kopf in den großen Städten vermuten: dort, wo die Fassaden dicht an dicht stehen und über jeden Sonnenstrahl diskutiert wird. Die Daten aus dem Marktstammdatenregister sagen das Gegenteil. Teilt man die eingetragenen Anlagen durch die Einwohnerzahl, führt kein Stadtstaat und keine Metropole die Rangliste an, sondern der ländliche Landkreis Friesland an der niedersächsischen Nordseeküste: 35,5 Balkonkraftwerke je 1.000 Einwohner. Das sind 3.566 Anlagen bei rund 100.411 Einwohnern.

    Zur Einordnung: Bundesweit liegt die Dichte bei etwa 18,3 Anlagen je 1.000 Einwohner. Friesland kommt damit auf fast das Doppelte des Durchschnitts, und ist alles andere als eine Großstadt. Wie viele Anlagen es absolut gesehen in Deutschland gibt und wie schnell die Zahl wächst, steht im Marktreport und im Artikel Der Balkonkraftwerk-Boom in Zahlen.

    Die Top 10: fast nur Niedersachsen und Bayern

    Der ganze Kopf der Rangliste ist ländlich geprägt. Kein einziger der zehn dichtesten Kreise ist eine kreisfreie Großstadt. Es sind durchweg Landkreise, und fast alle liegen in Niedersachsen oder Bayern:

    1. Landkreis Friesland (Niedersachsen): 35,5 je 1.000 (3.566 Anlagen)
    2. Landkreis Coburg (Bayern): 34,8 je 1.000 (2.941 Anlagen)
    3. Landkreis Holzminden (Niedersachsen): 34,5 je 1.000 (2.264 Anlagen)
    4. Landkreis Celle (Niedersachsen): 34,4 je 1.000 (5.934 Anlagen)
    5. Landkreis Oldenburg (Niedersachsen): 34,1 je 1.000 (4.505 Anlagen)
    6. Landkreis Peine (Niedersachsen): 33,2 je 1.000 (4.550 Anlagen)
    7. Landkreis Hof (Bayern): 33 je 1.000 (3.043 Anlagen)
    8. Landkreis Verden (Niedersachsen): 31,8 je 1.000 (4.408 Anlagen)
    9. Landkreis Aurich (Niedersachsen): 31,6 je 1.000 (5.971 Anlagen)
    10. Landkreis Kronach (Bayern): 31,4 je 1.000 (2.029 Anlagen)

    Niedersachsen stellt mit Friesland, Holzminden, Celle, Oldenburg, Peine, Verden und Aurich den Löwenanteil, Bayern steuert Coburg, Hof und Kronach bei. Das ist kein Zufall: Es sind Flächenkreise mit vielen kleinen Gemeinden, hohem Wohneigentum und viel Dachfläche. Der Wert „je 1.000 Einwohner“ macht solche Kreise überhaupt erst vergleichbar: ohne diese Umrechnung würde jede Millionenstadt allein wegen ihrer Größe oben stehen. Den vollständigen Vergleich aller Kreise findest du im Landkreis-Ranking; wie sich die Länder insgesamt schlagen, zeigt der Bundesland-Vergleich.

    Warum das Land vorn liegt

    Der entscheidende Faktor ist das Wohneigentum. Auf dem Land wohnen deutlich mehr Menschen im eigenen Ein- oder Zweifamilienhaus als in der Stadt. Und wer Eigentümer:in ist, hat beim Balkonkraftwerk praktisch freie Bahn: keine Vermietung, die zustimmen muss, keine Eigentümergemeinschaft, die abstimmt. Es gibt eine eigene Fassade, einen Balkon, eine Terrasse, oft einen Garten oder ein Carport, und damit gleich mehrere geeignete Plätze für die Module.

    Dazu kommt der praktische Teil. Das steckerfertige Set wird ausgepackt, aufgestellt oder aufgehängt und in die Außensteckdose gesteckt. Im eigenen Haus ist das eine Sache von einer Stunde, ohne Rückfrage bei irgendwem. Auch die Anmeldung ist heute nur noch ein kurzer Eintrag im Marktstammdatenregister (Anleitung unter Anmeldung). Wo man selbst entscheidet, sinkt die Hemmschwelle, und genau das schlägt sich in der Statistik nieder. Ob sich das für dich rechnet, hängt am Ende nicht vom Wohnort in der Rangliste ab, sondern von Ausrichtung und Sonne: das rechnest du im Ertragsrechner für deine PLZ aus.

    Hinzu kommt, dass ländliche Kreise oft flexibler mit dem Platz umgehen können: Ein Modul auf dem Gartenhaus, an der Südwand oder auf der Garage bringt häufig mehr Ertrag als ein verschatteter Nordbalkon im Hinterhof. Wer die freie Wahl hat, stellt die Anlage genau dorthin, wo die Sonne am längsten steht, ein Vorteil, den die meisten Stadtwohnungen schlicht nicht bieten.

    Warum die Großstädte hinterherhinken

    In der Großstadt kehrt sich fast jeder Vorteil um. Die meisten Menschen wohnen zur Miete, oft im mehrgeschossigen Wohnblock. Seit Oktober 2024 ist das Balkonkraftwerk zwar eine privilegierte bauliche Maßnahme nach § 554 BGB: die Vermietung kann die Zustimmung nur noch aus wichtigem Grund verweigern. Aber gefragt werden muss trotzdem, und diese Hürde hält viele ab. Was rechtlich gilt und wie du die Zustimmung sauber einholst, steht im Ratgeber Mietrecht & Balkonkraftwerk.

    Deshalb landen ausgerechnet die dicht besiedelten Stadtstaaten Berlin und Hamburg im Ländervergleich ganz unten: beide liegen klar unter dem Bundesdurchschnitt von 18,3 je 1.000 Einwohner. Die genauen Pro-Kopf-Werte für Berlin und Hamburg stehen im Bundesland-Vergleich. Wichtig ist die richtige Lesart: Absolut hat Berlin mit Abstand die meisten Anlagen aller Städte. Pro Kopf ist es dünn besiedelt. Dieser Unterschied zwischen absoluter Zahl und Dichte ist genau das, was das Städte-Ranking auseinanderhält.

    Was du daraus mitnimmst

    Die Rangliste ist kein Ertragsranking: Friesland liegt vorn, weil dort viele Menschen ein Set anschaffen, nicht weil die Sonne dort besonders stark scheint. Für die reine Ausbeute zählen Ausrichtung, Neigung und die lokale Einstrahlung, nicht wie viele Nachbarn schon eine Anlage haben. Wenn du wissen willst, was dein Balkon bringt, ist der Ertragsrechner die richtige Adresse; wenn dich die große Linie interessiert, der Marktreport und dein eigener Kreis im Landkreis-Ranking.

    Und die vielleicht wichtigste Botschaft für alle in der Stadt: Der Rückstand liegt an der Wohnform, nicht an der Technik. Wer zur Miete wohnt und die Zustimmung einholt, produziert denselben Strom wie das Einfamilienhaus auf dem Dorf. Die rechtliche Tür steht seit § 554 BGB offen: es fehlt vielerorts nur der letzte Schritt.

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    Eric Wilkinson · Gründer & Betreiber

    Ich betreibe Balkonertrag allein, kein Fachbetrieb, kein Installateur, keine Redaktion. Was ich beitrage, ist Methode: Ich werte offene Daten aus (Marktstammdatenregister, PVGIS, Strombörse), nenne zu jeder Zahl die Quelle und kennzeichne, was sich noch nicht belegen lässt. Wo die Daten nichts hergeben, steht hier nichts: lieber eine Lücke als eine erfundene Zahl.

    Aktualisiert am 18. Juli 2026 · Redaktionelle Grundsätze · Quellen dieses Artikels

    Häufige Fragen

    Wo ist die Balkonkraftwerk-Dichte in Deutschland am höchsten?
    Nicht in einer Großstadt, sondern im ländlichen Landkreis Friesland: Dort kommen laut Marktstammdatenregister 35,5 Balkonkraftwerke auf 1.000 Einwohner (3.566 Anlagen bei 100.411 Einwohnern). Danach folgen weitere Landkreise aus Niedersachsen und Bayern.
    Warum haben ländliche Landkreise mehr Balkonkraftwerke pro Kopf als Großstädte?
    Auf dem Land wohnen viel mehr Menschen im eigenen Ein- oder Zweifamilienhaus. Wer selbst Eigentümer ist, braucht niemanden zu fragen, hat eine eigene Fassade, Terrasse oder einen Garten und kann das steckerfertige Set in kurzer Zeit selbst montieren. In der Großstadt wohnen die meisten zur Miete und müssen erst die Vermietung einbinden.
    Wie viele Balkonkraftwerke gibt es pro 1.000 Einwohner im Schnitt?
    Bundesweit sind es rund 18,3 Anlagen je 1.000 Einwohner (Stand 20. Juli 2026). Die dichtesten Landkreise liegen mit deutlich über 30 je 1.000 fast beim Doppelten, die großen Stadtstaaten dagegen weit darunter.
    Warum liegen Berlin und Hamburg so weit hinten?
    Berlin und Hamburg sind Mieterstädte. Zwar ist das Balkonkraftwerk seit Oktober 2024 eine privilegierte bauliche Maßnahme nach § 554 BGB, doch die Zustimmung der Vermietung oder Eigentümergemeinschaft muss trotzdem eingeholt werden. Beide Stadtstaaten liegen im Bundesland-Vergleich am unteren Ende, klar unter dem Bundesdurchschnitt von 18,3 je 1.000. Die genauen Werte je Bundesland stehen im Bundesland-Vergleich.
    Wie wird die Dichte berechnet?
    Wir teilen die im Marktstammdatenregister eingetragenen Steckersolar-Anlagen eines Kreises durch seine Einwohnerzahl (Destatis, 31.12.2024) und rechnen auf 1.000 Einwohner hoch. Berücksichtigt sind nur Kreise mit mindestens 20.000 Einwohnern, damit einzelne Ausreißer die Rangliste nicht verzerren.

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    Quellen

    1. Marktstammdatenregister (MaStR), Bundesnetzagentur
    2. Statistisches Bundesamt (Destatis) – Bevölkerung der Kreise, 31.12.2024
    3. Balkonertrag – Landkreis-Ranking (eigene Auswertung)

    Alle Angaben ohne Gewähr. Rechtliche Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung. Stand: 18. Juli 2026.