Pro Kopf entsteht ein völlig anderes Ranking
Wer nach absoluten Zahlen fragt, landet immer bei den bevölkerungsreichsten Ländern: Bayern und Nordrhein-Westfalen stehen oben, weil dort schlicht die meisten Menschen wohnen. Aussagekräftiger ist die Dichte pro Kopf: also Anlagen je 1.000 Einwohner. Und die dreht das Bild komplett: Vorn liegt nicht der große Süden, sondern Niedersachsen mit 24,4 Balkonkraftwerken je 1.000 Einwohner (195.509 Anlagen laut Marktstammdatenregister, Stand 20. Juli 2026).
Der Bundesdurchschnitt liegt bei 18,4 Anlagen je 1.000 Einwohner. Über dieser Linie stehen fast ausschließlich Flächenländer: Niedersachsen (24,4), Rheinland-Pfalz (22,1) und Brandenburg (21,5) ganz oben. Ganz unten dagegen: die drei Stadtstaaten. Wie das gleiche Bild eine Ebene tiefer, zwischen Großstadt und Landkreis, aussieht, zeigt unser Vergleich Stadt gegen Land.
Warum die Flächenländer vorn liegen
Der Grund ist kein Fördertopf und kein Sonnenrekord, sondern die Bauweise. In Niedersachsen, Rheinland-Pfalz oder Brandenburg steht ein großer Teil der Menschen im eigenen Ein- oder Zweifamilienhaus, mit Garten, Terrasse, Carport oder Südfassade, an der sich ein Modul ohne Vermieterfrage montieren lässt. Wer selbst über die Wand entscheidet, hängt schneller ein Balkonkraftwerk auf als jemand in einer Mietwohnung im dritten Stock.
Dazu kommt: In Eigenheimen ist der Weg vom Kauf zur Montage kurz, der Eigenverbrauch hoch, und die Nachbarschaft macht es oft vor. Genau diese Dynamik trägt seit 2023 den bundesweiten Boom: die Kurve dahinter zeichnen wir im Artikel Balkonkraftwerk-Boom in Deutschland nach. Der Osten liegt dabei fast geschlossen über dem Schnitt: Brandenburg und die weiteren ostdeutschen Länder profitieren von viel Fläche, vielen frei stehenden Häusern und einer hohen Bereitschaft, selbst Strom zu erzeugen.
Interessant ist das enge Mittelfeld: Zwischen Platz vier und dreizehn liegen alle Länder nur zwei bis drei Anlagen je 1.000 Einwohner auseinander. Baden-Württemberg und Hessen kleben mit rund achtzehn je 1.000 fast exakt auf dem Bundesschnitt, das Saarland und die mitteldeutschen Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen alle durchweg darüber. Erst zum unteren Ende hin, bei den Stadtstaaten, reißt das Feld deutlich ab: dort ist der Abstand zur Spitze plötzlich riesig.
Warum die Stadtstaaten pro Kopf abschlagen
Am anderen Ende steht das Trio der Stadtstaaten: Hamburg bildet mit 6,4 Anlagen je 1.000 Einwohner das Schlusslicht, direkt davor Berlin (7,4) und Bremen (11,6). Das ist kein Widerspruch zur Berlin-Geschichte: In absoluten Zahlen ist Berlin die deutsche Balkonkraftwerk-Hauptstadt mit den meisten Anlagen aller Städte (siehe unser Städte-Ranking). Verteilt man diese Anlagen aber auf rund 3,8 Millionen Einwohner, bleibt pro Kopf wenig übrig.
Die Ursache ist strukturell: In Berlin und Hamburg dominieren Mehrfamilienhäuser, der Mieteranteil ist hoch, viele Balkone sind verschattet, nach Norden gerichtet oder gar nicht vorhanden. Jede einzelne Anlage muss die Vermieterin überzeugen: seit Oktober 2024 zwar leichter dank § 554 BGB, aber die Hürde bleibt höher als am eigenen Haus. Mehr dazu im Ratgeber Mietrecht & Balkonkraftwerk. Und selbst die großen Flächenländer sind pro Kopf keine Selbstläufer: Bayern (17,9) und Nordrhein-Westfalen (17) liegen trotz vieler Anlagen leicht unter dem Bundesschnitt, weil ihre Millionenstädte die Bilanz drücken.
So haben wir gerechnet: MaStR ÷ Einwohner
Das Ranking beruht auf zwei amtlichen Quellen und einer schlichten Division. Zähler ist die Zahl der im Marktstammdatenregister gemeldeten Steckersolar-Anlagen je Bundesland: dieselben Rohdaten, aus denen auch unsere Städte- und Landkreis-Seiten entstehen. Nenner ist die Einwohnerzahl der Länder (Destatis, Stand 31.12.2024). Das Ergebnis mal 1.000 ergibt die Anlagen je 1.000 Einwohner.
Wichtig für die Einordnung: Es ist kein geschätzter, sondern ein gemessener Wert. Jede eingetragene Anlage zählt genau einmal, keine Hochrechnung, keine Umfrage. Die Dichte sagt allerdings nur, wie verbreitet Steckersolar ist, nicht wie viel Strom die Anlagen liefern. Die volle Tabelle mit absoluten Zahlen und installierter Leistung je Land findest du im Marktreport.
Als Balkonkraftwerk zählen wir dabei Steckersolar-Anlagen bis 2 kWp mit Status „in Betrieb“: der offizielle Näherungswert für Balkon-PV. Zwei Unschärfen bleibt man dabei nicht los: Zwischen Kauf und Registrierung liegen oft Wochen, sodass die jüngsten Anlagen noch fehlen; und ein Bundesland mit vielen Zweitwohnsitzen oder Pendlerhaushalten kann die Bevölkerung im Nenner leicht verzerren. An der klaren Reihenfolge (Flächenländer vorn, Stadtstaaten hinten) ändert das nichts, dafür ist der Abstand zwischen Niedersachsen (24,4) und Hamburg (6,4) mit dem Faktor vier viel zu groß.
Was das für dich heißt
Dein Bundesland entscheidet nicht darüber, ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt: es zeigt nur, wie viele Nachbarn schon eins haben. Ob du in Niedersachsen oder in Hamburg wohnst, für deinen Ertrag zählen Standort, Ausrichtung und Neigung, nicht die Landesgrenze. Der Unterschied zwischen dem sonnigen Süden und dem Norden liegt beim Ertrag bei rund zehn bis fünfzehn Prozent, während die hier gezeigten Dichten um den Faktor vier auseinanderliegen: die Bereitschaft ist also viel ungleicher verteilt als die Sonne.
Wenn du wissen willst, wo dein Landkreis im Vergleich steht, wirf einen Blick auf die Landkreis-Dichte; für die große Linie über alle Länder und Quartale hinweg gibt es den Marktreport. Und bevor du kaufst, rechne deinen konkreten Fall im Ertragsrechner durch: der Wert für deine Postleitzahl sagt mehr als jedes Landes-Ranking.
Und wenn dein Bundesland weit hinten liegt, ist das eher ein Argument dafür als dagegen: Wo pro Kopf noch wenige Anlagen hängen, ist der Nachholbedarf am größten und die Chance, mit einem gut ausgerichteten Set einen echten Teil des eigenen Grundverbrauchs zu decken, exakt dieselbe wie in Niedersachsen. Die Landesgrenze bestimmt, wie viele es dir schon vormachen. Ob es sich lohnt, entscheidest allein du an deinem Balkon.