Du darfst dein Balkonkraftwerk heute einstecken, auch mit dem Zähler, der schon im Kasten hängt. Das gilt für den alten Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre genauso wie für ein digitales Gerät. § 10a EEG erlaubt den Betrieb an der vorhandenen Messeinrichtung, bis der Messstellenbetreiber von sich aus einen Zweirichtungszähler einbaut. Bis dahin gelten die abgelesenen Werte als richtig.
Das Wichtigste in Kürze
- § 10a EEG deckt jede bereits vorhandene Messeinrichtung ab, auch einen Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre.
- Die Werte des alten Zählers gelten bis zum Tausch für Abrechnung und Bilanzierung als richtig.
- Den Zweirichtungszähler baut der Messstellenbetreiber ein, ohne dass du ihn beauftragen musst.
- Eine moderne Messeinrichtung kostet laut Bundesnetzagentur höchstens 25 Euro im Jahr, unabhängig vom Verbrauch.
Vier Zählertypen und ihre Merkmale
Welcher Zähler bei dir hängt, entscheidet nichts über die Erlaubnis. Er entscheidet darüber, was du in den Wochen nach der Inbetriebnahme auf dem Zählwerk abliest. Vier Bauarten sind im Bestand üblich, zwei davon nennt § 10a Absatz 2 EEG als Ziel des Tauschs.
| Zählertyp | So erkennst du ihn | Rolle beim Balkonkraftwerk |
|---|---|---|
| Ferraris-Zähler (Induktionszähler) | Drehende Aluscheibe hinter einer Sichtscheibe, mechanisches Rollenzählwerk, kein Display | Betrieb erlaubt, läuft ohne Rücklaufsperre bei Einspeisung rückwärts |
| Moderne Messeinrichtung | Digitales Display statt Scheibe, fest verbautes Gehäuse, keine Funkverbindung | Betrieb erlaubt, wird zum Zieltyp, sobald sie als Zweirichtungszähler arbeitet |
| Zweirichtungszähler | Getrennte Zählwerke für Bezug aus dem Netz und Einspeisung ins Netz | Zieltyp nach § 10a Absatz 2 EEG, Rücklauf ausgeschlossen |
| Intelligentes Messsystem | Moderne Messeinrichtung plus separates Smart-Meter-Gateway im Zählerfeld | Zweiter Zieltyp nach § 10a Absatz 2 EEG, überträgt die Werte selbst |
Der Blick in den Zählerkasten dauert eine Minute. Siehst du eine Scheibe, die sich dreht, hast du einen Induktionszähler vor dir; siehst du ein Display mit Ziffern, eine moderne Messeinrichtung. Ein Smart-Meter-Gateway sitzt als eigenes Kästchen daneben und ist von der Messeinrichtung getrennt.
Für die Frage, ob du einstecken darfst, ändert keiner dieser Befunde etwas, denn § 10a EEG unterscheidet die Bauarten an dieser Stelle nicht und knüpft die Erlaubnis allein an das Gerät, das du anschließt.
Was § 10a EEG seit Mai 2024 erlaubt
Die Vorschrift kam mit dem Solarpaket I im Mai 2024 ins EEG 2023 und trägt die amtliche Überschrift „Messstellenbetrieb; Übergangsregelung für Steckersolargeräte“. Absatz 3 regelt den Fall, um den es hier geht, im Wortlaut der Fassung auf gesetze-im-internet.de:
„Steckersolargeräte im Sinn von § 8 Absatz 5a dürfen an der Entnahmestelle eines Letztverbrauchers bereits vor dem Einbau einer modernen Messeinrichtung als Zweirichtungszähler oder eines intelligenten Messsystems mit einer bereits vorhandenen Messeinrichtung betrieben werden. Die Richtigkeit der von der Messeinrichtung ermittelten Messwerte wird zu Zwecken der Abrechnung und Bilanzierung längstens bis zur Ausstattung mit einer modernen Messeinrichtung als Zweirichtungszähler oder einem intelligenten Messsystem nach Absatz 2 Satz 1 vermutet.“
Das Wort Rücklaufsperre steht dort nicht. Der Gesetzestext spricht von jeder „bereits vorhandenen Messeinrichtung“, ohne technische Bedingung an sie zu knüpfen. Ein Ferraris-Zähler fällt damit unter dieselbe Erlaubnis wie ein digitaler.
Adressiert ist die Entnahmestelle eines Letztverbrauchers, also der Hausanschluss, an dem das Gerät steckt. Zulässig ist der Betrieb dort ab dem ersten Tag, auf einen Monteurtermin musst du also nicht warten, und ein gesonderter Antrag beim Netzbetreiber ist für ein Steckersolargerät ohnehin nicht vorgesehen.
Welche Geräte unter die Übergangsregelung fallen
Absatz 3 verweist auf § 8 Absatz 5a EEG, also auf den gesetzlichen Zuschnitt des Steckersolargeräts. Zwei Grenzen halten ihn zusammen: der Wechselrichter gibt höchstens 800 VA ab, die Module bringen höchstens 2.000 W Leistung mit.
Die beiden Werte messen verschiedene Dinge. Die 800 VA begrenzen, was das Gerät ins Hausnetz abgeben darf, die 2.000 W begrenzen die aufgedruckte Leistung der Module davor. Wie sich diese Aufteilung auf den Jahresertrag auswirkt, rechnet dir der Ertragsrechner für deine Ausrichtung durch; die Herkunft der Grenzwerte steht in der 800-Watt-Regel.
Angemeldet wird ein solches Gerät nur im Marktstammdatenregister, den Netzbetreiber informiert das Register automatisch. Ein zweites Formular gibt es nicht. Wie das im Detail läuft, steht unter Anmeldung im MaStR.
Wenn der alte Zähler rückwärts läuft
Ein Induktionszähler ohne Rücklaufsperre dreht sich zurück, sobald dein Wechselrichter mehr abgibt, als die Wohnung im selben Moment zieht. Der Zähler weist dann weniger Bezug aus, als tatsächlich aus dem Netz kam. Genau diesen Effekt nennt die Bundesnetzagentur als Grund für den Tausch auf einen bidirektionalen Zähler.
Für die Zwischenzeit hat der Gesetzgeber die Frage selbst beantwortet. Nach § 10a Absatz 3 EEG wird die Richtigkeit der Messwerte bis zum Einbau des neuen Zählers vermutet, ausdrücklich für Abrechnung und Bilanzierung. Deine Jahresabrechnung stützt sich also auf den Stand, den das alte Zählwerk anzeigt.
Die Registrierung bleibt davon unberührt. Sie ist Pflicht, unabhängig davon, welches Gerät im Kasten hängt und wie herum sein Zählwerk gerade läuft. Was bei einer versäumten Eintragung droht, steht in Balkonkraftwerk nicht angemeldet.
Ablauf und Kosten des Zählertauschs
Den Anstoß gibt das Register. Vier Schritte liegen zwischen deiner Anmeldung und dem neuen Zähler.
- Du trägst das Steckersolargerät im Marktstammdatenregister ein.
- Der Datenabgleich des Registers erreicht deinen Netzbetreiber.
- Der Messstellenbetreiber stattet die Messstelle unverzüglich mit einer modernen Messeinrichtung als Zweirichtungszähler oder einem intelligenten Messsystem aus (§ 10a Absatz 2 EEG).
- Der Monteur tauscht das Gerät im Zählerfeld, ein Auftrag von dir ist dafür nicht vorgesehen.
Wie lange das dauert, beziffert die Bundesnetzagentur in ihren FAQ zu Balkon-Solaranlagen als „in der Regel allenfalls eine Frage von Wochen, höchstens von einigen Monaten“. Ein Datum nennt das Gesetz nicht. Absatz 2 verlangt vom Messstellenbetreiber, unverzüglich tätig zu werden, sobald ihn der Abgleich der Registerdaten erreicht hat.
Bei den Kosten arbeitet die Bundesnetzagentur mit Preisobergrenzen. Eine moderne Messeinrichtung kostet höchstens 25 Euro im Jahr, und zwar unabhängig davon, wie viel Strom durch sie fließt. Für ein intelligentes Messsystem beginnt die Spanne in der Verbrauchsstufe 6.000 bis 10.000 kWh bei 40 Euro im Jahr.
Der Tausch selbst wird nicht extra berechnet. Anders liegt der Fall, wenn dafür der Zählerschrank baulich geändert werden muss: diese Arbeiten gehen zulasten des Anschlussnutzers.
Was sich nach dem Tausch ändert
Mit dem Zweirichtungszähler endet der Rücklauf. Bezug und Einspeisung landen ab dann in getrennten Zählwerken, und die Abrechnung stützt sich auf den Bezugswert allein.
Auch die Vermutungsregel endet, und zwar nach ihrem eigenen Wortlaut: Absatz 3 gilt „längstens bis zur Ausstattung“ mit einem der beiden Zieltypen. Ab dem Einbau zählt schlicht, was der neue Zähler misst. Am Betrieb deines Balkonkraftwerks ändert der Termin nichts, es läuft während des Tauschs und danach weiter.